Kuriose Süßigkeitenkreationen

Ich bin letztens meinen Google Docs-Account durchgegangen und habe dabei einen Text gefunden, den ich ursprünglich einfach mal so hingekritzelt habe, ohne großen Plan, ob ich das mal veröffentlichen werde oder nicht. Da es aber doch irgendwie schade drum wäre, wenn er zwischen den ganzen anderen Dateien verschimmeln würde, habe ich mir gedacht, dass ich ihn ruhig hier reinwerfen könnte. Ich will mir die Mühe ja nicht ganz umsonst gemacht haben, und außerdem kommt es mir ganz gelegen, etwas zu haben, mit dem ich die Zeit bis zum nächsten größeren Beitrag überbrücken kann. Also! Hier folgt nun die epische Geschichte...
 
...  von einem Ausflug in die Tiefkühlabteilung des Supermarkts meines Vertrauens.
 
... was daran so erzählenswert sein soll? Nun ja, ich habe, während ich meinen üblichen Wocheneinkauf erledigt habe, drei Produkte gesehen, die ich so kurios fand, dass ich darüber schreiben musste. Ich verspreche, dass das kein Product Placement ist – als ob ich mit meinem Blog so weit wäre! –, ich nenne zwar Marken, aber nicht, weil mich dafür jemand bezahlen würde, ich frotzel' hier nur 'n bisschen rum. Ob das auch für andere Leute interessant ist, weiß ich nicht, aber... äh, ich fang einfach mal an, ja?
Ich bin also schon so ziemlich am Ende meines Einkaufs angelangt, nach dem ganzen vernünftigen Kram standen nur noch Tiefkühlpizza und Eis auf meiner Liste. (Aka die nicht ganz so vernünftigen Dinge.) Während ich zunächst nach der Ristorante Speciale von Dr. Oetker Ausschau. Da
Ich bin also schon so ziemlich am Ende meines Einkaufs angelangt, nach dem ganzen vernünftigen Kram standen nur noch Tiefkühlpizza und Eis auf meiner Liste. (Aka die nicht ganz so vernünftigen Dinge.) Während ich zunächst nach der Ristorante Speciale von Dr. Oetker Ausschau hielt, streiften meine Augen eine Ansammlung von Wörtern, die mich dazu brachte, kurz stehen zu bleiben: "Kinder Pingui inspiriert von Sachertorte". Offenbar eine gerade erschienen Limited Edition. Das bloße Konzept "Limited Edition Kinder Pingui" fand ich schon wild, aber die konkrete Geschmacksrichtung ließ mich denken: "Uff, wäre dieses Ding für wienerische Sachertorten-Ultras eine Ehre oder ein Sakrileg?". Ich bin mir nicht ganz sicher... laut den Geschmackstests, die ich mir angesehen habe (sagt nichts), ist diese Kinder Pingui-Version wohl gar nicht so schlecht, andererseits glaube ich, dass jemand, der starke Meinungen über Sachertorten hat, empört sein könnte, wenn eine Schokoschnitte mit Aprikosenmarmeladefüllung sich mit dem Namen seiner heißgeliebten Leckerei schmückt...
Sieht auf dem ersten Blick zumindest in Ordnung aus...?
Außer, dass ich mich darüber gewundert habe, dass es überhaupt existiert, hatte ich keine starke Meinung zu diesem Produkt. Wie könnte ich, wenn ich weder den Geschmack von Kinder Pingui noch von Sachertorte kenne? Kinder Pingui gab's bei uns nie – wir waren eher ein Milchschnitten-Haushalt –, und was Sachertorten betrifft... ich glaube, ich bin in meinem Leben noch nicht mal in der Nähe von einer gewesen. Mein größter Bezugspunkt zu Sachertorten müsste... ja... das müsste der Anime The Royal Tutor sein. Die Serie spielt im fiktiven Land Glanzreich, das aber sehr stark am Österreich-Ungarn des ausgehenden 19. Jahrhunderts angelehnt ist. Die Titelfigur Heine Wittgenstein wird als Hauslehrer der vier jüngeren Prinzen an den Königshof berufen, um diese auf ihre zukünftigen Pflichten vorzubereiten. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die vier haben mit ihren jeweiligen Eigenarten bisher jeden ihrer Lehrer vom Hof gejagt. Heines größte Herausforderung ist der zweitjüngste Prinz Leonhard, der das Lernen so sehr hasst, dass er vor den Unterrichtsstunden routinemäßig weggelaufen ist, weshalb ihm grundlegende Kenntnisse fehlen. Er weiß halt original nicht, was 1+1 ist. (Der Typ ist 15 Jahre alt.) Heine gelingt es jedoch, Leonhard das Rechnen mithilfe seiner Leibspeise näher zu bringen: Sobald der Prinz sich die Zahlen als Sachertortenstücke vorstellt, klappt es mit dem Addieren und Subtrahieren auf einmal. Tja, als Lehrer muss man eben nur wissen, wie man seine Schüler erreicht! 
So begeistert, wie Leonhard von Sachertorten ist, sollte ich die vielleicht auch mal probieren. Mir ist die Marmeladengeschichte zwar ein wenig suspekt, aber irgendwas muss an dem Hype ja dran sein. Weil ich offensichtlich nichts Besseres zu tun habe, habe ich mich in der Zwischenzeit ein wenig über Sachertorten informiert. Die Entstehungsgeschichte, wie sie im deutschen Artikel steht...

"Die Geschichte der eigentlichen Sachertorte beginnt, als Fürst Metternich seine Hofküche im Jahr 1832 beauftragte, für sich und seine hochrangigen Gäste ein besonderes Dessert zu kreieren. 'Dass er mir aber keine Schand’ macht, heut Abend!' sagte er. Doch der Chefkoch war krank und so musste der 16-jährige Bursche Franz Sacher (1816–1907), damals Lehrling im zweiten Jahr, die Aufgabe übernehmen und erfand die Grundform der Sachertorte."

... klingt ein wenig wie so 'ne Herkunftsstory, die entweder gar nicht stimmt oder nur zum Teil so passiert ist und später ausgeschmückt wurde, damit sie interessanter ist. Wenn man sich ein wenig umschaut, wird man auch abgewandelte Versionen finden... Na ja, Fakt ist: Ein Sacher sachte sich, dass so 'ne Torte echt nice wäre, und der Rest der Welt stimmte zu. Ich fand es äußerst erheiternd, zu erfahren, dass 2015 Sachertorte ins Menü japanischer McDonalds-Filialen aufgenommen wurde. Für geile ¥360 konnte man sich ein Stück gönnen. Überhaupt scheint Sachertorte da drüben recht beliebt zu sein. Schon irgendwie lustig, dass mein größter Bezugspunkt zu diesem Dessert wiederum ein Anime ist. 
In Japan mag man aber nicht nur Sachertorte, sondern auch Baumkuchen, wie ich in einem Post des Tumblr-Blogs suppermariobroth, der sich mit obskurem Nintendo-Kram befasst, erfahren habe. Im Battle-Modus von Mario Kart 64 gibt es eine Stage, die in allen Sprachen irgendwas mit "Donut" heißt; im Deutschen wird sie "Riesendonut" genannt. Das dürfte auf die Form der Strecke anspielen, denn es handelt sich um einen Rundkurs mit einem Loch in der Mitte. Wenn man in den Sourcecode des Spiels schaut, wird man aber feststellen, dass die Strecke dort mit dem Kürzel "BA-MU" identifiziert wird. Das dürfte höchstwahrscheinlich für "Baumkuchen" stehen. Außerdem ähnelt die Strecke dem ringförmigen Kuchen doch noch etwas mehr.
 
Das nicht besonders gut aufgelöste Stage-Icon des Riesendonuts aus Mario Kart 64 und das etwas traurige Baumkuchenbild, das auch im korrespondierenden Wikipedia-Artikel verwendet wird. Nun, man erkennt zumindest die Ähnlichkeiten, oder? 
Insofern scheint es, als wäre die Strecke eher am in Japan beliebten Baumkuchen angelehnt gewesen und hätte diesen auch zunächst im Namen tragen sollen, doch da man diese Referenz (außer in Deutschland) wohl nirgends verstanden hätte, hat man sich entschieden, sie stattdessen nach dem ebenfalls zur Form der Strecke passenden, aber weltweit wesentlich bekannteren Donut zu benennen. Das war zumindest die Theorie von suppermariobroth...
Nachdem ich den Post gelesen hatte, war mein erster Gedanke: "Jetzt verstehe ich, warum in Deutschlands Teil von 'Chikyu Marutto Festival' (= Ending der späteren Hetalia-Musicals) ausgerechnet der Baumkuchen erwähnt wird...". Und mein zweiter war, dass ich doch gern mal nachrecherchieren würde, wie sich das mit dem Baumkuchen in Japan denn nun tatsächlich verhält. Vermutlich immer noch etwas speziell, aber nicht ganz so speziell wie mein erster Gedanke, haha. Wie das ringförmige Gebäck überhaupt in Fernost landete, ist, wie ich bei meinen Nachforschungen herausgefunden habe, eine unerwartet wilde Geschichte, und da ich es ja wohl unmöglich bei diesem Satz belassen kann, werde ich sie euch rasch erzählen. 
Ähäm! Alles begann Anfang des 20. Jahrhunderts in China, genauer gesagt in der damaligen deutschen Kolonie Kiatschou. Der junge Konditor Karl Juchheim siedelte dorthin über, um in der Stadt Tsingtau sein Glück zu machen. Zunächst arbeitete er allein, kehrte dann kurz nach Deutschland zurück, um sich eine Frau zu suchen, ging mit seiner Verlobten Elise wieder nach Tsingtau und gründete mit ihr zusammen ein Geschäft. Allzu viel Zeit, ihr gemeinsames Leben zu genießen, hatten die zwei allerdings nicht, denn ihr Hochzeitstag, der 28. Juli 1914, fiel unglücklicherweise mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien zusammen – aka dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Der Konflikt erreichte bald auch Kiatschou: Vom 13. September bis zum 7. November wurde Tsingtau von britischen und japanischen Truppen belagert. Während die Deutschen es bei den Kolonien im Pazifik gar nicht erst versucht hatten, sich gegen die ankommenden feindlichen Truppen zu wehren, verteidigten sie Tsingtau so lange, wie es ging, denn die Stadt zu verlieren, wäre dann doch zu peinlich gewesen. (Meinte Wilhelm II.) Als ihnen die Munition ausging, waren sie jedoch schließlich gezwungen, zu kapitulieren. Das Verwaltungsrecht für Kiatschou ging an Japan über und die Verteidiger Tsingtaus gerieten in Kriegsgefangenschaft, darunter auch Karl Juchheim, den es so im September 1915 nach Japan verschlug. Im Februar 1917 wurde er in ein Kriegsgefangenenlager auf der Insel Ninoshima nahe Hiroshima gebracht. 
Und hier beginnt nun der Baumkuchen-Teil der Geschichte! Ich weiß, es klingt nicht unbedingt danach, als sollte jetzt irgendwas mit Kuchen folgen, aber es ist so. Die deutschen Kriegsgefangenen auf Ninoshima hatten nämlich einige Freiheiten und durften unter anderem ihren Berufen nachgehen, sodass Karl sein Bäckerhandwerk wieder aufnehmen konnte. Die Arbeiten der deutschen Handwerker waren wohl echt spannend, jedenfalls wurden sie am 4. März 1919 bei einer Ausstellung in Hiroshima der Öffentlichkeit präsentiert. Unter den Köstlichkeiten in der Erfrischungshalle befand sich auch – der erste Baumkuchen auf japanischem Boden! Oder einer der ersten, jedenfalls, könnte sein, dass Karl vorher schon einen gebacken hat, das weiß man nicht so genau. Dieser Ausstellungstag war auf jeden Fall der erste öffentlichkeitswirksame Auftritt der ringförmigen Leckerei.
Damit wäre der Baumkuchen schon mal in Japan angekommen, damit er aber auch zu dem populären Dessert werden kann, das er heute ist, muss Karl Juchheim erstmal von Ninoshima runter. Glücklicherweise musste der nicht mehr allzu lange auf der Insel verharren, denn ab 1920 wurden die deutschen Kriegsgefangenen freigelassen. Karl vereinte sich wieder mit seiner Frau Elise und seinem im November 1915 geborenen Sohn. Aber wohin jetzt? Nach Tsingtau wollte man nicht zurück, da dort gerade die Cholera grassierte. Also zog die Familie stattdessen nach Yokohama. Die Konditorei, welche die Juchheims dort gründeten, lief gut, doch die Zeit in ihrem neuen Zuhause war nur kurz. Als 1923 das große Kanto-Erdbeben Yokohama heimsuchte, verlor die Familie Haus und Backstube und musste somit wieder ganz von vorne anfangen. Immerhin: Das Blatt wendete sich schnell wieder. Die Juchheims siedelten nach Kōbe über und stampften sogleich einen neuen Laden aus dem Boden. Die Konditorei mit den deutschen Backwaren wurde rasch äußerst populär, wobei der Baumkuchen zum größten Kundenmagneten avancierte.
Der Boom hielt die nächsten Jahre an, doch wenn ihr ein wenig auf die Jahreszahlen geachtet habt, könnt ihr euch vermutlich schon denken, wann der nächste Einschnitt kommt... Der Zweite Weltkrieg brach aus und bei den Juchheims jagte bald ein Unglück das nächste. Der Sohn von Karl und Elise wurde in die Wehrmacht eingezogen und musste wahrscheinlich in irgendeiner Schlacht sein Leben lassen, jedenfalls kehrte er nie mehr zurück und wurde nach dem Krieg für tot erklärt. 1944 musste das Geschäft der Juchheims geschlossen werden, da aufgrund der anhaltenden Lebensmittelknappheit keine Produktion mehr möglich gewesen war; kurze Zeit später wurde das Gebäude bei Luftangriffen zerstört. Einen Tag vor der Kapitulation Japans verstarb Karl; Elise musste nach dem Krieg auf Anordnung der alliierten Besatzungsmächte das Land verlassen.
Hier könnte die Geschichte des Baumkuchens in Japan nun zu Ende sein, doch wie schon nach dem Kanto-Beben kam die Juchheim-Konditorei wieder zurück. Mit der Erlaubnis von Elise gründeten zwei ihrer ehemaligen Mitarbeiter im Jahr 1950 einen neuen Laden in Kōbe. Drei Jahre später konnte Elise nach Japan zurückkehren und stieg daraufhin als Geschäftsführerin in das wiederauferstandene Unternehmen ein. Mit der Unterstützung des japanischen Geschäftsmannes Haruo Kawamoto blühte Juchheim Co. auf und eröffnete bald weitere Filialen im ganzen Land – und der Baumkuchen blieb eines der beliebtesten Produkte. 
Bis heute kann man den ringförmigen Kuchen so gut wie überall in Japan finden, von der High-Class-Variante aus dem Fachgeschäft, die man gern zu Geburtstagen oder Hochzeiten bestellt, bis hin zum kleinen, in Plastik eingeschweißten Snack, den man in Convenience Stores oder am Bahnhof kaufen kann. Wenn man will, kann man immer noch den guten alten Juchheim-Baumkuchen essen, allerdings haben andere Backwarenhersteller die heißbegehrte Leckerei ebenfalls in ihr Sortiment aufgenommen, um etwas vom süßen Erfolg abzubekommen. Es könnte Spaß machen, zu testen, welche Unterschiede es zwischen den Marken gibt. Außerdem wurden in Japan einige sehr interessante Baumkuchen-Geschmacksrichtungen wie Matcha, Melone, Banane oder Kürbis entwickelt. Die Matcha-Variante macht mich besonders neugierig... einerseits klingt es ganz schön abenteuerlich, andererseits kann ich mir doch irgendwie vorstellen, dass es funktioniert...?
Aber gut... kehren wir jetzt mal wieder zum eigentlichen Thema zurück, ich wollte euch ja ursprünglich von meinen spaßigen Tiefkühlabteilungsentdeckungen berichten. Ganz so unpassend war mein Japan-Exkurs allerdings auch nicht, die nächste Geschichte hat nämlich ein bisschen mit dem Land zu tun. Kennt ihr Mochis? Das sind so kleine Küchlein aus Reisteig, die gegebenenfalls eine Füllung enthalten. Die mit Bohnenpaste gefüllte Variante habe ich vor Ewigkeiten mal gegessen, als ich auf einer Anime-Convention gewesen bin und da eine Süßigkeiten-Mysterybox gekauft habe. Der Geschmack war... ungewohnt, aber schlecht fand ich's nicht. Würde ich noch mal essen, wenn ich meine Hände mal wieder dranbekäme.
Man kann den Mochiteig aber nicht nur mit Bohnenpaste, sondern auch ganz anderen Sachen füllen, wie mir beim Gang durch besagte Tiefkühlabteilung offenbart wurde. Nachdem ich die Speciale eingepackt hatte, bewegte ich mich auf das Eiscreme-Abteil zu. Ich wusste zwar genau, was ich wollte – es ist immer dasselbe –, aber man schaut ja doch immer, was sonst noch so im Angebot ist. Dabei entdeckte ich... mit Eiscreme gefüllte Mochis der Marke Cookie Bros. Im ersten Moment dachte ich mir: "Das sieht aus wie die Idee eines hippen neuen Start-Ups aus den 2020ern...". Wer würde denn sonst auf so was kommen? Wann Cookie Bros. genau gegründet wurde, konnte ich nicht herausfinden, sie gerieren sich auf ihrer kunterbunten Website aber auf jeden Fall als junges, dynamisches Unternehmen, das mit revolutionären Essenskreationen aufwartet. Die Cookie Dough Balls – dasselbe wie die Mochis, nur mit Keksteig – haben mich schon neugierig gemacht, allerdings finde ich die Promo für das Produkt auf der Website...
 
Das Promo-Banner von der offiziellen Cookie Bros.-Website 
... stellenweise etwas unglücklich. Mal ganz abgesehen davon, dass das Werbefoto ein bisschen zu sehr danach aussieht, als würde das Model sich genüsslich 'nen Dreckklumpen – oder etwas anderes Braunes und Rundliches... – reinschieben wollen, glaube ich, dass der Spruch "Einfach poppen und genießen!" sehr leicht missverstanden werden kann. *räusper* N-nun, zurück zu den Mochis. Cookie Bros. schreibt zwar, dass sie dem japanischen Kult-Snack ein Makeover verpasst hätten und vielleicht haben sie dem Ganzen in der Tat ihre eigene Note verpasst, aber die Idee an sich is' eigentlich nicht neu. Die ersten Mochis dieser Art wurden in den 90ern von der Süßigkeitenfirma Mikawaya in Los Angeles vertrieben. 
Die damalige Chefin Frances Hashimoto, welche die Leckerei miterfunden hat, war eine ziemlich interessante Persönlichkeit. Ihre Eltern, Koroku und Haru Hashimoto, gründeten Mikawaya 1910 als Geschäft für traditionelle japanische Süßigkeiten. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren sie jedoch gezwungen, ihr Geschäft zu schließen. Außerdem wurden Koroku und Haru aufgrund der Executive Order 9066, die zwar "nur" bestimmte, dass Personen von für das Militär relevanten Gebieten verwiesen können, in Wahrheit aber dazu führte, dass zahllose japanischstämmige Amerikaner (die Feinde?) aus ihrer Heimat gerissen und in Internierungslager geschafft wurden, in das Poston War Relocation Center in Arizona gebracht, wo am 26. August 1943 ihre Tochter Frances geboren wurde. Nicht der schönste Ort, um ins Leben zu treten...
Nach Kriegsende kehrten Koroku und Haru nach Los Angeles zurück und eröffneten Mikawaya neu. Frances wuchs in Boyle Heights auf, genauer gesagt in Little Tokyo, unverkennbar die japanisch geprägte Nachbarschaft im seit jeher multikulturellen Stadtteil. Am Familienunternehmen hatte Frances erstmal kein Interesse, stattdessen wurde sie Grundschullehrerin. Sie unterrichtete einige Jahre, bis ihre Mutter sie auf einmal zurückrief: Nach dem Tod von Papa Hashimoto hatten Mama und Schwester das Geschäft weitergeführt, konnten das jetzt aber auch nicht mehr machen, also musste Frances ran. Sie hat zwar einige Zeit mit der Entscheidung gehadert, Mikawaya  zu übernehmen, doch als CEO haute sie bald ordentlich rein und trieb die Expansion des kleinen Familienladens an, sodass das Unternehmen bald mehrere weitere Filialen in Kalifornien, auf Hawaii und sogar in Kanada sein Eigen nennen konnte. Und dann war da noch die Sache mit den Mochis... die Grundidee hatte der Mann von Frances, sie hat dann drauf aufgebaut und schließlich Eiscreme-Mochis in sieben verschiedenen Geschmacksrichtungen ins Mikawaya-Sortiment aufgenommen. Hmm... jetzt, wo ich so darüber nachdenke, klingt eine Mochiteig-Eiscreme-Kombination in der Tat wie eine sehr japanisch-amerikanische Idee. Jedenfalls, die neue Leckerei ging weg wie warme Semmeln und wurde bald zum Markenzeichen von Mikawaya.
Neben dem Aufbau von Süßigkeiten-Imperien widmete Frances sich auch ganz stark ihrer Heimat Little Tokyo, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit vielerlei Problemen zu kämpfen hatte, und war bemüht, dessen einzigartige Kultur und Identität zu bewahren sowie die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Von 1994 bis 2008 war sie Vorsitzende der Little Tokyo Business Association und gehörte den Vorständen der Japanischen Handelskammer von Südkalifornien sowie des Japanese American Community and Cultural Center an. Im Jahr 1982 wurde sie zudem die erste weibliche Vorsitzende des ihr sehr am Herzen liegenden Nisei Week-Festivals, eine Veranstaltung, bei der die japanischstämmigen Amerikaner in Little Tokyo ihre Wurzeln feierten. Gemessen an den vielen warmherzigen Artikeln, die nach ihrem Tod im Jahr 2012 erschienen, hat man Frances in ihrer Heimat für ihren unermüdlichen Einsatz sehr geliebt...
*räusper* Tja, was man nicht so alles lernt, wenn man herausfinden will, wer denn tatsächlich ein gewisses Produkt aus der Tiefkühlabteilung erfunden hat, nicht wahr? Aber jetzt sollte ich so langsam zum Ende dieses Ausflugs kommen. Die Mochis habe ich, obwohl ich sie schon gern probiert hätte,  liegengelassen, weil es nur welche mit Eiscreme-Sorten gab, die ich nicht mag. Stattdessen bin ich weiter zu meinem eigentlichen Objekt der Begierde: Ben & Jerry's Cookie Dough Ice Cream – der klassische, aber auch einfach der beste Geschmack. Während ich mich abmühte, einen Becher aus der rechten oberen Ecke des Tiefkühlregals zu fischen – natürlich muss mein Lieblingseis an einer Stelle stehen, an die ich nicht gut rankomme! – fiel mein Blick auf die letzte, ahm, Spezialität, über die ich heute reden möchte. Direkt vor meiner Nase prangte auf einem Eisbecher das Wort "Franzbrötchen". Eis... mit Franzbrötchen-Geschmack? Wer kommt denn auf so was? Nun ja, die Frage erübrigte sich mit einem weiteren Blick auf die Packung. Die Marke hieß "Mälzer & Fu", und wenn ihr gerne Kochsendungen schaut, wird euch zumindest der erste Name bekannt vorkommen, es handelt sich in der Tat um den Fernsehkoch Tim Mälzer. Der hat sich 2024 mit dem Modemacher Chris "Fu" Boszczyk zusammengetan, um lustiges Eis herzustellen. Auf der Website von "Mälzer & Fu" heißt es:

"Deutschlands berühmt-berüchtigtster Koch Tim Mälzer hat sich mit Streetwear-Pionier Chris 'Fu' Boszczyk zusammengetan, um gemeinsam Ice C.R.E.A.M. 'for the culture' zu kreieren! Inspiriert von der Extravaganz amerikanischer Eiscreme Kreationen und vom meisterlichen Handwerk der italienischen Gelato-Kultur verbinden MÄLZER & FU Ice C.R.E.A.M. Creations das Beste dieser beiden Welten. Da für Tim und Fu Qualität und Geschmack immer an oberster Stelle stehen, wird unser Eis handwerklich in Deutschland hergestellt, und das ganze ohne jeglichen Luftaufschlag. Somit erreichen unsere Eiskreationen einen einzigartigen Geschmack und unvergleichliche Cremigkeit!"

Da ist jemand ja wirklich sehr stolz auf sich…
Die Sorten, welche die zwei anbieten, tragen epische Namen wie "Chocolate Deluxe", "Pure Vanilla", "Strawberry Balsamic Blast", "Pistachio White Choc"... und "Franzbrötchen". Der epischste Geschmack von allen! ... möglicherweise, ich weiß nicht, wie Franzbrötchen schmecken. Mein größter Bezugspunkt zu dem Plundergebäck ist das Video "Woher kommen die Namen dieser Gerichte?" vom Kanal MythosOfPlaying, da wurde auch eine Frage zum Franzbrötchen gestellt. Tatsächlich weiß man nicht hundertprozentig, wie das Gebäck entstanden ist, aber die bekannteste Geschichte gibt an, dass das Franzbrötchen während der Hamburger Franz-osenzeit kreiert worden sei. Daneben existieren allerdings zahllose weitere, teilweise viel abgedrehtere Stories. (Ich mag die mit den Hintern.) 
Doch egal, wo und wie es nun erfunden wurde, in Hamburg ist das Franzbrötchen absoluter Kult. Was die wohl von diesem Eis halten...? Entweder lieben sie es oder sie hassen es, wie die wienerischen Sachertorten-Ultras das Sachertorten-Kinder Pingui, I guess. Na ja, wenn ihr mal eine Geschmacksprobe der Hamburger Franzbrötchen-Freude haben wollt, solltet ihr auf franzbroetchen.de vorbeischauen. Diese hat sich der Aufgabe verschrieben, dem "wunderbaren Plunder" die ihm gebührende Ehre zukommen zu lassen. Man kann Franzbrötchen-Nachrichten aus aller Welt lesen, das Franzbrötchen-Orakel befragen oder den Franzbrötchen-Verlag aufsuchen, um dort das Buch "Das Franzbrötchen" kaufen. Ah... jetzt habe ich das Wort definitiv zu oft gesagt...
Nun gut, dann lasse ich euch mal in Ruhe mit meinen banalen Geschichten. Hätte ich diese hier vielleicht doch besser in meinen Google-Dokumenten lassen sollen? Ach, sie ist jetzt hier, also findet ihr sie entweder lustig und lehrreich... oder halt nicht. Ersteres würde mich sehr glücklich machen, letzteres wiederum, tja... vielleicht ist der der nächste Beitrag ja eher dein Geschmack.
 
(Checkste? Geschmack?)

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